Standpunkt: Wir brauchen Mut für neue Wege im Wintertourismus

«Rettet die Berge» heisst ein Bündnis bayerischer Umweltorganisationen, Wissenschaftler:innen und Parteien, das sich gegen aktuelle Gesetzesänderungen wehrt, welche den Naturschutz zurückdrängen und den Bau neuer Skiinfrastruktur erleichtern. Es braucht nun Mut zum Umdenken – gerade in Regionen, die keineswegs mehr schneesicher sind und wo der Skitourismus ein Auslaufmodell ist, meint Christine Busch, Geschäftsführerin von CIPRA Deutschland.

Das Bündnis #rettetdieberge, dem auch CIPRA Deutschland angehört, wollte das Modernisierungsgesetz verhindern – leider ohne Erfolg. Unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus hebt das neue Gesetz Schwellenwerte für Umweltverträglichkeitsprüfungen beim Bau von Skipisten, Seilbahnen und Beschneiungsanlagen an. Ein fatales Signal in Zeiten der Klimakrise. Die Frostgrenze steigt ebenso stetig an wie der Druck auf die sensiblen Ökosysteme in den Bergen. Besonders eindrücklich wird das mit Blick auf die abschmelzenden Gletscher und zunehmend instabilen Hänge.

Die Beschneiung verbraucht immer mehr Energie und Wasser, wodurch massive Nutzungskonflikte entstehen. Talböden werden mit Parkplätzen versiegelt, statt den öffentlichen Verkehr auszubauen. Pistenraupen verbrennen Unmengen Diesel und verdichten Böden. Auch wenn manche Skigebiete mit regionalem Ökostrom oder Anreise per Bahn werben: Wirklich «grün» wird das Skifahren nie. Zusätzlich gefährdet das Ausweichen nach oben immer mehr sensible Gletschergebiete. Nicht zu vergessen ist das Verletzungsrisiko durch harte Kunstschneepisten.

Warum halten wir so sehr an etwas fest, das schlechte Zukunftsaussichten hat, immer gefährlicher wird und einen erheblichen ökologischen Schaden anrichtet? Natürlich hat der Skitourismus Arbeitsplätze geschaffen, ganze Täler geprägt und ist oft ökonomisch unverzichtbar. Dort, wo die Voraussetzungen für einen Skibetrieb noch gegeben sind, soll auch weiter skigefahren werden. Umso wichtiger ist es, dort Alternativen zu entwickeln, die langfristig ökologisch, sozial und wirtschaftlich tragen, wo der Skibetrieb ein Auslaufmodell ist. Die Politik sollte die Chance ergreifen, diesen Wandel zu gestalten.

Dazu braucht es Mut von Pionierregionen, Touristiker:innen, der Bevölkerung und der Politik. Mut, neue und zukunftsfähige Wege einzuschlagen. Beispiele gibt es längst: Die Bergsteigerdörfer setzen erfolgreich auf Nähe zur Natur und Qualität statt Masse. Sie zeigen, dass echte Naturerlebnisse das eigentliche Kapital der Alpen sind. Die Jennerbahn am Königsee/D hat trotz subventionierter Investition in eine neue Bahn den Skibetrieb eingestellt, den Lift verkauft und setzt nun erfolgreich auf sanften Tourismus wie Schneeschuhwandern und Rodeln. Solche Initiativen eröffnen neue Perspektiven und schonen zugleich die Natur.

Als leidenschaftliche Skifahrerin weiss ich um den Zauber des Pulverschnees. Doch wie viel echte Natur bleibt in immer stärker technisierten Skigebieten zwischen Anreisestau, Menschenmassen und Fastfood-Gastronomie? Ist es das, was wir als Naturerlebnis und Erholung wollen? Es sollte nicht darum gehen, was wir verlieren, sondern um das, was wir gewinnen können: Eine intakte Natur mit echten Naturerlebnissen, lebendige Bergregionen und einen Tourismus, der unsere Alpen als einzigartigen Lebens- und Erholungsraum bewahrt – auch für künftige Generationen.