Naturvielfalt als Gemeingut

Aktuelle Forschungen aus Südtirol und der Schweiz belegen: Die Biodiversität im Alpenraum geht weiter zurück. Sie als Gemeingut zu betrachten, könnte viele Probleme lösen.

Aktuelle Untersuchungen aus Südtirol und der Schweiz unterstreichen den mangelhaften Zustand der Biodiversität. So hat die Zerschneidung der Landschaft zum Beispiel durch Strassen in der Schweiz zwischen 2014 und 2020 um sieben Prozent zugenommen, die Lichtverschmutzung hat sich zwischen 1994 und 2020 verdoppelt. Wegen der zahlreichen negativen Einflüsse ist mehr als ein Drittel aller Arten in der Schweiz weiterhin gefährdet.  Diese und weitere Ergebnisse hat die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz im aktuellen Bericht «Biodiversität in der Schweiz verstehen und gestalten» zusammengestellt.

Zur Lage in Südtirol erstellte und veröffentlichte Eurac Research Ende 2025 ein Biodiversitätsmonitoring. Über fünf Jahre hinweg wurden an hunderten Standorten Analysen durchgeführt. Probleme verursacht etwa eine zu intensive Landwirtschaft: Monokulturen, häufiges Mähen und der Einsatz von Dünger und Pestiziden lassen einst artenreiche Flächen verarmen. Erst kürzlich wurden illegal Hecken gerodet, in Natura-2000-Gebieten wurde illegal Gülle auf artenreiche Bergwiesen ausgebracht, wie CIPRA Südtirol feststellte. 

Biodiversität lokal verankern

Die Betrachtung von Biodiversität als Gemeingut würde viele dieser Probleme lösen, wie ein aktueller Artikel in der italienischen Zeitschrift «Quaderni di Alpivive» nahelegt. Die Autorinnen Cristina Dalla Torre (Eurac Research), Bianca Elzenbaumer (Gründerin der Gemeinschaftsakademie La Foresta) und Serena Arduino (Vize-Präsidentin von CIPRA International) sind überzeugt: Durch die Beteiligung aller wird der Schutz der Biodiversität konkret und bleibt nicht nur der Wissenschaft vorbehalten. Die Herausforderung sei, Biodiversität als Gemeingut lokal zu verankern und bereits bestehende Praktiken wertzuschätzen. In Berggebieten etwa schützt standörtlich angepasste Alp-/Almwirtschaft die Biodiversität: Die Kühe weiden auf den Wiesen und mit der so gewonnen Milch wird Käse produziert. Das Grasen der Kühe fördert die Biodiversität auf den Wiesen, es werden Lebensmittel produziert, zudem dienen die Almen auch als Erholungsräume. Die Lösung wäre also, den Raum multifunktional zu betrachten, meinen Dalla Torre, Elzenbaumer und Arduino.

Weitere Informationen: 
Custodire la vita: biodiversità e commons tra teoria e pratica. Dalla Torre C, Elzenbaumer B, Arduino S (2025) (it) , https://akademien-schweiz.ch/news/gesamtschau-biodiversitaet-zustand-ungenuegend-aber-einzelne-positive-entwicklungen-seit-2010 (de, fr, it), www.umwelt.bz.it/news-medien/presse/wildlebende-tiere-und-pflanzen-sind-in-suedtirol-unter-druck-es-braucht-renaturierungen-und-die-biodiversitaetswende-1084/ (de, it), https://www.interreg-alcotra.eu/it/alpivive (it)