Olympische Winterspiele 2038: Unglaubwürdige Nachhaltigkeitsversprechen

CIPRA International und CIPRA Schweiz sehen die geplante Kandidatur des Bundes für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 mit grosser Skepsis. In ausführlichen Stellungnahmen an den Bund kritisieren sie, dass die bisher kommunizierten Ziele einer nachhaltigen und dezentralen Durchführung ohne den Neubau von Sportstätten weder rechtsverbindlich abgesichert noch realistisch sind.

«Noch nie wurden Olympische Winterspiele durchgeführt, ohne dass gravierende Eingriffe in Natur und Landschaft erfolgten», betont Manuel Herrmann, Geschäftsführer von CIPRA Schweiz. «Der Tatbeweis für tatsächlich nachhaltige Spiele in sensiblen Bergregionen steht aus – mit den Winterspielen von Mailand und Cortina 2026 als jüngstes negatives Beispiel.» Zwar ist die Absicht begrüssenswert, auf bestehende Infrastrukturen zurückzugreifen und ökologische Leitplanken zu setzen, diese bleibt allerdings wirkungslos, solange die zugesicherten Prinzipien nicht verbindlich verankert werden. Auch hinsichtlich der Kosten ist Sorge angebracht, denn der im Entwurf ausgewiesene Bundesbeitrag von 200 Millionen Franken bildet nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Belastung ab. Am Ende könnte die öffentliche Hand auf hohen Defiziten sitzenbleiben. Der Bund muss deshalb alle öffentlichen Ausgaben ausweisen und klar definieren, welche öffentlich und welche privat finanziert werden.

Keine Sonderbehandlung beim Umweltschutz

Ein zentrales Anliegen ist die Einhaltung aller Umwelt-, Natur- und Raumplanungsgesetze. Auch die Bestimmungen der Alpenkonvention sind vollumfänglich einzuhalten. Die CIPRA fordert, dass sämtliche Zusicherungen im Bereich Umweltschutz explizit im Bundesbeschluss festgeschrieben werden. «Olympia darf nicht als Vorwand genutzt werden, um Infrastrukturgrossprojekte im Alpenraum durchzudrücken, Bewilligungsverfahren abzukürzen oder Umweltauflagen zu lockern», so Herrmann.

Wesentliche Entscheidungen über den Charakter der Spiele werden im Host-City-Vertrag mit dem IOC getroffen. Die CIPRA fordert deshalb die vollständige Offenlegung aller Verträge zwischen Bund, IOC und Trägerorganisation. Nur mit Einblick darin lässt sich beurteilen, welche Eingriffe in Landschaften und Ökosysteme drohen.

Demokratische Mitsprache gewährleisten

Der Bund selbst spricht von einem Generationenprojekt. Die CIPRA unterstreicht, dass ein Projekt dieser Tragweite zwingend referendumsfähig ausgestaltet werden muss. Frühere Olympia-Projekte in Graubünden und im Wallis wurden von der Bevölkerung abgelehnt. «Die Schweiz darf nicht in ein internationales Pflichtprogramm geraten, das die direktdemokratischen Prozesse unter Druck setzt», betont Patrik Schönenberger, Präsident von CIPRA Schweiz. Umweltorganisationen müssten zudem die Möglichkeit haben, den Prozess kritisch zu begleiten und sich substanziell einzubringen.

Stimmen von Mitgliedsorganisationen der CIPRA Schweiz:

«Von landschaftsschonenden Winterspielen kann dann gesprochen werden, wenn auf die vorhandene Wintersportinfrastruktur abgestellt wird und im Schlepptau der Olympischen Spiele an den Austragungsorten keine baulichen Infrastruktur- und Angebotserweiterungen entstehen.»
Karina Liechti, Projektleiterin Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

«Weil olympische Dimensionen zwangsläufig sensible Bergökosysteme beeinträchtigen, fordern wir die Schaffung eines neuen, nationalen Grossschutzgebietes als Teil des langfristigen Vermächtnisses.»
Maren Kern, Geschäftsleiterin Mountain Wilderness Schweiz

«Olympische Winterspiele erzeugen zusätzliche Mobilität und belasten den Alpenraum. Wichtig ist, dass das Versprechen, keine neue Strasseninfrastruktur zu schaffen, eingehalten wird. Investitionen sollten genutzt werden, um den öffentlichen Verkehr zu stärken und Alpenregionen langfristig vom motorisierten Verkehr zu entlasten.»
Katrin Dorfschmid, Geschäftsleiterin Pro Alps
 

Rückfragen bitte an:

Manuel Herrmann, Geschäftsleitung CIPRA Schweiz manuel.herrmann@cipra.org, +41 78 765 61 16

Michael Gams, Kommunikation CIPRA International, michael.gams@cipra.org, +423 237 53 04