Dialog zur Alpinen Raumordnung: Tagungsband der CIPRA Jahresfachtagung 2025

Wie kann eine Alpine Raumordnung Nutzungskonflikte im Spannungsfeld von Energiewende und Renaturierung entschärfen? Diese Frage stand im Zentrum der CIPRA-Jahresfachtagung 2025 in Salzburg mit mehr als 160 Teilnehmenden. Der nun veröffentlichte Tagungsband bündelt zentrale Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen - nicht als Abschluss, sondern als Teil eines fortlaufenden Lernprozesses und Impulsgeber. Er verdeutlicht die gemeinsame Einsicht, dass die Energiewende im Alpenraum sektorübergreifend, interdisziplinär und grenzüberschreitend gedacht und gestaltet werden muss.

Ein roter Faden durch alle Diskussionen: die Bedeutung einer ergebnisoffenen, transparenten und qualitativ hochwertigen Partizipation, die politische Verantwortung ergänzt, aber nicht ersetzt. Raumplanung sollte sich zunehmend als transformatives und sektorübergreifendes Handlungsfeld verstehen, das die lokale Bevölkerung sowie deren Bedürfnisse und Wissen einbezieht – mit klarer Sprache, effektiven Planungsinstrumenten und verbindlichen rechtliche Grundlagen. Besonders hervorgehoben wurden beispielsweise die stärkere rechtliche und institutionelle Verankerung Grüner Infrastruktur oder die gleichzeitige Ausweisung von Vorrang- und Ausschlusszonen. Alpenkonvention und EUSALP bieten bewährte Instrumente, Netzwerke und Plattformen, deren Potenzial laut den Teilnehmenden noch stärker genutzt und kommuniziert werden müssen.

Aus den Diskussionen der Jahresfachtagung wurden von Raumplanungsexpert:innen des AlpPlan-Netzwerk der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft und der CIPRA normative Politik- und Planungsempfehlungen abgeleitet: 

Allgemeine Empfehlungen zur Energiewende in den Alpen

  • Klare, transparente und frühzeitige partizipative Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • Raumplanungsprozesse und -instrumente für die breite Öffentlichkeit verständlich und zugänglich machen
  • Systematische Perspektive zum Ausbau erneuerbarer Energien, welche ökologische und soziale Funktionen der alpinen Landschaft sowie den Ausbau der Netz- und Speicherkapazitäten integriert
  • Gezielte Sicherung von Freiräumen, beispielsweise für Renaturierungs- oder Klimawandelanpassungsmaßnahmen
  • Ausbauziele für erneuerbare Energien räumlich konkretisieren und mit anderen Nutzungsansprüchen abstimmen

Empfehlungen zur Stärkung der koordinativen Rolle der Alpinen Raumordnung

  • Langfristige, grenz- und sektorenübergreifende Austauschformate; Vernetzung von Praktiker:innen aus Energie- und Raumplanung
  • Standardisierte, benutzerfreundliche und interaktiv nutzbare Datenbereitstellung sowie digitale Plattformen zum Informations- und Datenaustausch
  • Priorisierung von Energieeffizienz, beispielsweise durch Förderung von energieeffizienten Siedlungsstrukturen sowie integrierte Gebäude- und Energielösungen
  • Raumplanungsbehörden mit zusätzlichen finanziellen und personellen Ressourcen ausstatten

Spezifische Empfehlungen zur Umsetzung von RED III und NRL in den Alpen

  • Berücksichtigung von Freiräumen und traditionellen Kulturlandschaften in Strategischen Umweltprüfungen
  • Beachtung von ökologischen Korridoren, Pufferzonen und Biodiversitäts-Hotspots bei Ausschlusszonen, unabhängig von deren rechtlichem Schutzstatus
  • Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und dauerhafte Austauschforen zur Umsetzung der RED III und EU-Renaturierungsverordnung
  • Verwendung der verbindlichen Vorgaben der Alpenkonvention als Kompass bei der Umsetzung der RED III
  • Paradigmenwechsel in der Raumplanung hin zur Priorisierung von Schutz und Entwicklung von Freiräumen für kommende Generationen.

Darüber hinaus bietet der Tagungsband eine Übersicht zu den relevanten EU-Sekundärrechtsakten (EU-Renaturierungsverordnung, überarbeitete EU-Erneuerbaren-Energien-Richtlinie) sowie zu nationalen Beschleunigungs- und Deregulierungsgesetzen und deren Auswirkungen auf die Alpine Raumordnung sowie die umfangreichen inhaltlichen Vorarbeiten des AlpPlan-Netzwerks. Als Teil des EUSALP-Vorsitzprogramms 2025 bilden die Ergebnisse der Jahresfachtagung zugleich eine wichtige Grundlage für weitere Aktivitäten zur Alpinen Raumordnung. 


Hier geht es zum Tagungsband: 

www.cipra.org/de/publikationen/alpine-raumordnung