Alpenwasser: Wer bekommt den letzten Tropfen?
Klimawandel, zunehmende Bodenversiegelung und Verschmutzung gefährden das Wasser in den Alpen. Beim zweiten Liechtensteiner ZukunftsForum Alpen Ende Juni 2025 in Schaan diskutierten rund 160 Teilnehmende aus verschiedenen Alpenländern über die Zukunft der Wasserversorgung.
Der Alpenraum gilt als Wasserschloss Europas. Doch Übernutzung durch Tourismus und Wasserkraft sowie Verschmutzung durch Mikroplastik, Düngemittel und Pestizide steigen. Zudem verändert der Klimawandel den Wasserkreislauf: Temperaturen und Hitzeperioden nehmen zu, Niederschläge schwanken stark. Unter dem Titel «H2O: kostbar, kraftvoll, knapp» widmete sich das zweite Liechtensteiner ZukunftsForum Alpen am 27. und 28. Juni der Frage, wie sich die Wasserversorgung auch künftig für Mensch und Natur sichern lässt.
Rund 160 Fachleute, Studierende, Schüler:innen und Interessierte aus den Alpen diskutierten bei der von CIPRA International organisierten Tagung in Schaan/LI und vernetzten sich. Sabine Monauni, Liechtensteins Regierungschef-Stellvertreterin und Umweltministerin, unterstrich in ihrer Eröffnungsrede: «Es liegt in unserem ureigenen Interesse und ist unsere gemeinsame Verantwortung, die nachhaltige Nutzung unserer Wasserressourcen aktiv zu gestalten.»
«Der Wasserkreislauf ist ein globales Gemeingut»
Der Hydrologe Johannes Cullmann, Koordinator für Nachhaltigkeit an der United Nations University in Dresden, forderte in seinem Vortrag eine neue Denkweise: «Der Wasserkreislauf ist ein globales Gemeingut, das ein flussgebietsweites Verständnis und Zusammenarbeit erfordert.» Der Klimawandel verschärfe die ohnehin schwierige Wassersituation. Laut dem Wasserexperten können Kreislaufwirtschaft und Wasserwiederverwendung dem entgegenwirken.
«Für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung müssen wir die Mehrfachnutzung des Wassers verbessern, seine Verschwendung verringern und zunehmende Interessenkonflikte lösen.» Dies forderte Süsswasserökologin Monica Tolotti in ihrem Vortrag. Die Wissenschaftlerin der Fondazione Edmund Mach in Trentino/I beleuchtete unter anderem die Folgen der Gletscher- und Permafrostschmelze in den Alpen: In einigen Regionen reichern sich Spurenelementen an, einschliesslich schädliche Schwermetalle. Zudem verringert sich die Kapazität von Fliessgewässern, Schadstoffe zu verdünnen.
Wasser zwischen Nutzung und Schutz
Wie lassen sich Flüsse wieder naturnah gestalten? Welchen Wasserfussabdruck hinterlässt der Skitourismus? Wie beeinflussen extreme Wetterereignisse Landwirtschaft und Siedlungsplanung? In verschiedenen Vertiefungsrunden diskutierten die Teilnehmenden Lösungsansätze. Eine Exkursion zum Rhein veranschaulichte die vielfältigen Ansprüche an den Fluss – von Lebensraum bis Hochwasserschutz.
Der zweite Konferenztag öffnete das Thema für die breite Öffentlichkeit: Mit Spaziergängen zu Bächen und zur Siedlungsentwicklung in Schaan, einer Exkursion in die Berge, einer Infosession zu Trinkwasser und einer Lesung für Kinder. Emanuel Schädler, Minister für Gesellschaft und Justiz in Liechtenstein, betonte, dass an vielen Orten dieser Welt das Wasser stark verschmutzt ist. Umso wichtiger sei es, mit dem kostbaren Gut Wasser demütig und verantwortungsvoll umzugehen – zum Wohle kommender Generationen.
Die Ergebnisse der Konferenz sind online verfügbar unter www.zukunftsforumalpen.li/rueckblick
Das Liechtensteiner ZukunftsForum Alpen steht unter dem Patronat der Regierung des Fürstentums Liechtenstein und wird von der CIPRA International organisiert sowie von der Gemeinde Schaan finanziell unterstützt.